WRC
28. Juni 2012Achtung: MINI WRC im Anflug.
Jeder Rallyelauf stellt die Teams vor enorme logistische Herausforderungen. Vom Klappstuhl bis zum Rallyeauto, rund 50 Tonnen Material müssen rund um die Welt geschickt werden.
Fliegende Rallyeautos! Der Traum aller Fans. Allerdings ist hier nicht die Rede von spektakulären Sprüngen, sondern vom Transportweg, den Rallyefahrzeuge nach einem Übersee-Event wie zum Beispiel der Rallye Neuseeland nehmen. Denn während das technische Equipment größtenteils in Containern verstaut auf dem Seeweg reist, sind die Rallyeautos meist im Flugzeug unterwegs. Doch das ist nur ein Teil des logistischen Masterplans, den sich jedes Rallyeteam schon vor dem Saisonstart für alle zu fahrenden Läufe zurecht legt, um einen gigantischen Berg von Material rechtzeitig an Ort und Stelle zu haben. Anders als bei der Formel 1 ist hier jedes WRC-Team sein eigener Organisator.
Beim WRC Team MINI Portugal ist Bruno di Pianto das logistische Mastermind. Schon lange vor dem ersten WRC-Event hat der Team-Manager die 13 Läufe durchgeplant. Bruno bestimmt, wann welches technische Teil an welchem Ort sein muss. Und natürlich auch, wie es auf den Weg gebracht wird und wann und wie es wieder zurückkommt. Eine kniffelige Puzzlearbeit – zumindest beim ersten Mal. Denn steht der Logistikplan für ein Event erst einmal, laufen die folgenden Veranstaltungen nach einem ähnlichen System ab. "Dann gibt es nur noch geringfügige Veränderungen", sagt Bruno. "Zum Beispiel sollte man für die Rallye Schweden die Heizgeräte nicht vergessen."
50 Tonnen rund um die Welt.
Rund 50 Tonnen Material werden für jede Rallye auf den Weg gebracht. Bei Überseeläufen gehen zwei riesige Container mit einem Volumen von rund 75 Kubikmetern pro Container per Schiff auf die Reise. Bis zu 28 Tonnen Equipment haben in jedem Container Platz. In einem sind die Recce-Fahrzeuge, im zweiten ist weiteres Material für die Hospitality, Büros und Service-Bereiche vor Ort sowie allgemeine Ersatzteile und Werkzeug. Weitere 3000 Kilogramm an teuren Teilen werden mit dem Flugzeug verschickt, die eigentlichen Rallye-Fahrzeuge inklusive. Auf Motorsport spezialisierte Speditionen kümmern sich indes darum, dass die Fracht rechtzeitig vom Zoll in den jeweiligen Ländern freigegeben wird, damit kein WRC-Start durch Verzögerungen bei der Einreise gefährdet wird. Ist ein WRC-Lauf auf dem Landweg erreichbar, reist das technische Team mit drei Trucks an.
Grundsätzlich hat jedes Rallyeteam so viele Ersatzteile dabei, dass praktisch jeder mögliche Schaden am Fahrzeug mehrfach behoben werden. Denn man weiß nie, was bei einer Rallye passiert. Lediglich wenn der Überrollkäfig beschädigt wird, stehen die Teams mit leeren Händen da. Denn in diesem Fall gibt es laut WRC-Reglement nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Überrollkäfig schützt die Fahrerteams weiter zuverlässig oder eben nicht. Im ersten Fall darf das Team seine Fahrt fortsetzen, im zweiten bedeutet der Schaden automatisch das Aus bei der Rallye.
MINI WRC auf Übersee-Tour.
Bei Rallyes in Europa schickt das WRC Team MINI Portugal sein Material rund eine Woche bis zehn Tage vor dem Start auf die Reise. Für die Überseeläufe geht es schon viel früher los. So wurde das Equipment bei der im März stattfindenden Rallye Mexiko bereits Mitte Januar auf den Weg gebracht – und kommt erst jetzt wieder in Europa an. Das liegt daran, dass das Material nach dem ersten Übersee-Event nicht wieder zurückgeholt, sondern direkt zum nächsten Übersee-Einsatz nach Argentinien geschickt wurde. Und von dort aus ging es auf direktem Weg weiter nach Neuseeland, dem dritten WRC-Lauf, der nicht in Europa ausgetragen wurde. Die Kosten für den logistischen Aufwand? Rund 400.000 Euro bei Europa-Events, gut 450.000 Euro in Übersee, wenn die Fahrzeuge weitgehend unbeschädigt bleiben.
Weil das in der ersten WRC-Saison für das WRC Team MINI Portugal der Fall war, freut sich das Team jetzt bereits auf die Rückkehr seiner Überseefracht. Und die MINI John Cooper Works WRC von Armindo Araujo und Paulo Nobre befinden sich mit dem Ende des letzten Übersee-Events in Neuseeland bereits im Anflug. Was passiert dann? Dann werden die Fahrzeuge in ihre Einzelteile zerlegt und ein scheinbar unendlicher Strom von technischen Daten ausgewertet, um die MINI WRC für ihre nächsten Auftritte noch besser zu machen. Was mit den Fahrzeugen nach den Rallyes genau passiert erfahren Sie hier.
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